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„Recht auf Protest?“ Stellungnahme vom 29.07.2019 zu Unterstellungen gegen mich im Nordbayrischen Kurier

Als Autor des Buchs „go.stop.act! Die Kunst des kreativen Straßenprotests“ und als Trainer für gewaltfreie Aktion wurde ich von dem Klimaprojekt Forum 1.5 der Universität Bayreuth zu einem Vortrag mit Podiumsdiskussion zum Thema „Klimakrise und Recht auf Protest“ und einem Workshop zu kreativem Straßenprotest eingeladen.

Die Veranstaltung sollte am 02./03.08.19 stattfinden. Eine Woche davor wurde sie von der Universität jedoch abgesagt, da ich in der Interventionistischen Linken (IL) aktiv sei.

[aktuelle Anmerkung: Die Veranstaltung findet nun außerhalb der Uni doch statt. Die Bayreuther Ortsgruppe der Extinction Rebellion hat die Organisation übernommen, hier die Einladung dazu]

Im Nordbayrischen Kurier erschien daraufhin ein unsachlicher Artikel über die geplante und abgesagte Veranstaltung. Darin werde ich persönlich und politisch angegriffen. Vor allem aber wird die Motivation und Qualität meiner Bildungsarbeit in Frage gestellt. Die Unterstellungen stützen sich alleine auf die Aussage, dass ich in einer Gruppe aktiv sei, die vom Verfassungsschutz beobachtet werde. Dem Artikel geht es eindeutig darum, zu skandalisieren und darüber Distanzierungsdruck auszuüben, ohne ein einziges inhaltliches Argument gegen meine Arbeit vorzubringen. Konsequent weiter gedacht, wird damit ein generelles Berufsverbot für „Leute wie mich“ gefordert.

Für alle, die mich in Zukunft zu Vorträgen, Seminaren und Workshops einladen wollen, möchte ich deshalb meinen Ansatz klar und transparent darstellen:

Seit über 20 Jahren arbeite ich freiberuflich in der politischen Bildungsarbeit und biete Seminare, Workshops, Trainings und Vorträge an. Diese Bildungsveranstaltungen führe ich im Auftrag eines breiten Spektrums von bundesweiten Menschenrechts- und Umweltorganisationen, Sozialverbänden, Gewerkschaften, Parteien, Kampagnenbündnissen, lokalen Initiativen und Graswurzelgruppen durch.

Grundlage meiner Arbeit ist ein kritisches, emanzipatorisches Bildungsverständnis. Ich richte mich dabei nach den Interessen und Bedürfnissen der Teilnehmenden. Es geht nicht um die einseitige Vermittlung von Wissen und Inhalten, sondern um methodisch unterstützte selbstständige kritische Reflexion. Ziel ist eine gemeinsame, solidarische Befähigung zu gesellschaftlicher Mitgestaltung und politischer Teilhabe. Eigene Interessen oder politische Vorstellungen intransparent oder undifferenziert zu präsentieren, würde diesem Verständnis grundlegend widersprechen.

Ich bin in all den Jahren bisher noch nie mit dem Vorwurf der politischen oder didaktischen Manipulation konfrontiert gewesen. Im Artikel werden auch keine konkreten Kritikpunkte genannt, sondern eine schlichte „Extremismus“-These formuliert. Der Vorwurf des „Extremismus“ kommt auf Grund meines außerberuflichen politischen Engagements: Neben meiner Bildungsarbeit bin ich, wie viele Menschen, ehrenamtlich politisch engagiert. In der Interventionistischen Linken (IL), einer legalen zivilgesellschaftlichen Organisation, setze ich mich öffentlich seit einigen Jahren unter anderem für Klimagerechtigkeit, für bezahlbare Mieten und gegen Rechtspopulismus ein. Mit kreativen Protestformen und in breiten Bündnissen mobilisiert die IL unter anderem gegen Klimazerstörung, soziale Ungleichheit und Autoritarismus. Sie thematisiert diese auch als Folgen des globalen Kapitalismus, der auf Profit, Konkurrenz und Ausbeutung beruht. Stattdessen setzt sich die IL – und da schließe ich mich vollkommen an – für eine sozial-ökologische Transformation und ein gutes Leben für alle ein.

Zu der Veranstaltung an der Universität Bayreuth wurde ich als Aktionstrainer und Autor des Buches „go.stop.act!“ (Erstauflage erschienen 2005, als es die IL noch gar nicht gab) zum Thema kreativer Straßenprotest eingeladen. In dem Artikel des Nordbayrischen Kuriers wird suggeriert, ich wäre eine politische Gefahr für die Demokratie und hätte die Veranstaltung unterwandern wollen.

Diese Vorwürfe sind falsch und haben keine Grundlage.

Ihnen steht die Kontinuität meiner langjährigen Bildungsarbeit und die Transparenz meines ehrenamtlichen Engagements entgegen.

Ich finde es nicht nachvollziehbar und politisch in Zeiten von Rechtspopulismus und antidemokratischen Kampagnen gefährlich, dass eine breite öffentliche Diskussion über Legitimität von Protest (mit dem Titel „Recht auf Protest“!!!) gegen die fortschreitende Klimazerstörung durch die Absage der Veranstaltung eingeschränkt wird, weil der Verfassungsschutz Vortragende wie mich für missliebig erklärt.

Gerade jetzt wäre eine breite und lebendige Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen zivilgesellschaftlicher Protestformen notwendig und wichtig – vor allem auch mit Menschen, die diese selbst praktizieren.

Zivilgesellschaftliches Engagement und Zivilcourage sowie dazu befähigende emanzipatorische Bildungsarbeit halte ich für lebensnotwendig für eine offene und demokratische Gesellschaft – erschreckend ist, wenn daraus ein extremistischer Skandal konstruiert wird.

Link zum Artikel im Nordbayrischen Kurier:
https://www.kurier.de/inhalt.nicht-gekannt-uni-bayreuth-laedt-links-extremen-ein-und-wieder-aus.4125a94c-e2c5-4ece-b2a5-cfd6de473365.html

Solidaritätserklärung:

Wir haben Marc Amann, Aktionstrainer, freiberuflicher Referent für politische Bildungsarbeit und Autor von „go.stop.act! Die Kunst des kreativen Straßenprotests“, als qualifizierten und differenzierten Referenten und Kollegen kennen gelernt.

Unterstellungen, wie sie der Nordbayrische Kurier vornimmt, können wir nicht nachvollziehen und laden Marc Amann auch zukünftig gerne wieder zu Veranstaltungen ein bzw. arbeiten auch weiterhin gerne mit ihm zusammen.

Namen von unterzeichnenden Veranstalter*innen und Kolleg*innen nehme ich gerne an go.stop.act[at]mtmedia.org entgegen und werde sie in den nächsten Tagen hier veröffentlichen.

Trotz Urlaubszeit haben bereits einige Personen ihre Solidarität erklärt, vielen Dank!

  • Annett Gnass und Jael Rollin, Beratung und Begleitung der geförderten Projekte der Bewegungsstiftung, Kassel
  • KoKo – das Kommunikationskollektiv
  • Holger Isabelle Jänicke, Rechtsberater, Hamburg
  • Clémence Bosselut, Projektkoordinatorin Fortbildungsreihe des Evangelischen Forums entwicklungspolitischer Freiwilligendienst, Bonn
  • Johannes Lauterbach, Eine Welt Regionalpromotor, Colibri e.V., Tübingen
  • Patrick von Brandt, Gewerkschaftssekretär ver.di, Göttingen
  • Alexander Gilly, Jugendbildungsreferent ver.di Landesbezirk Niedersachsen-Bremen
  • ver.di U35 Gruppen Göttingen und Braunschweig
  • Jessi Messinger, Jugendbildungsreferentin DGB Nordwürttemberg
  • Till Baumann, Diplom-Pädagoge, Trainer und Theatermacher, Berlin
  • Günter Metzges-Diez, Organisationsentwickler / Führungscoach, Berlin
  • Birgit Peter, Diplompsychologin, Moderatorin, Tübingen
  • Stefan Kalmring, Referent für politische Bildung, Rosa Luxemburg Stiftung, Berlin
  • Alexander Schlager, Büroleiter Regionalbüro Stuttgart der Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Bernd Hüttner, Referent für Geschichtspolitik und Zeitgeschichte, Rosa- Luxemburg-Stiftung, Bremen
  • Ralf Jaster, Gewerkschaftssekretär IG Metall Reutlingen
  • Harald Hahn, systemischer Berater, Theatermacher, Berlin
  • Attac Deutschland: Stephanie Handtmann, Geschäftsführerin; Sabine Lassauer, Kampagnenunterstützung; Jule Axmann, Öffentlichkeitsreferentin; Carola Gottas und Rita Herber, Büroleitung; Holger Oppenhäuser, Bildungskoordination
  • Thomas Eberhardt-Köster, Roland Süß, Judith Amler, Sonja Taubert
    Attac-Koordinierungskreis
  • Werner Rätz, freiberuflicher Referent und Autor, Attac-Koordinierungskreis
  • Karin Walther und Rasmus Grobe, BildungsreferentInnen und Vorstand
    Bewegungsakademie Verden
  • Timo Luthmann, Autor „Politisch aktiv sein und bleiben. Handbuch Nachhaltiger Aktivismus“, Bonn
  • Bernd Heckmair, Fachbuchautor und Redakteur von Radio LORA München
  • Uli Steinheimer, Mitgründer von LOS!, Offenbach solidarisch, Offenbach
  • Michael Fütterer und Heiner Köhnen, TIE Global, Frankfurt
  • Dr. Dr. Peter Ullrich und Dr. Simon Teune, Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb), Berlin
  • Rainer Hackauf, Bureau für Selbstorganisierung, Wien
  • Werkstatt für gewaltfreie Aktion: Miri Krell, Moderator*in und Trainer*in; Renate Wanie, freie Mitarbeiterin; Ulrich Wohland, freier Mitarbeiter und Campaigner
  • Christoph Bautz, geschäftsführender Vorstand Campact
  • Nina Treu, Konzeptwerk Neue Ökonomie Leipzig

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Die Broschüre „Engagement in Aktion. Ratgeber für wirkungsvolle Kampagnenführung“ (Hrsg: Stiftung Mitarbeit & Bewegungsstiftung) ist Anfang Februar 2018 erschienen. Darin zwei Beiträge von mir zu „Kreativer Protest“ und „Aktionsplanung“.

Das Wimmelbild „Recht auf Stadt“ ist fertig! Am 6. Juli 2016 haben wir (Zeichner Markus Wende und ich) 4000 Plakate davon (Größe A1+) beim Druckkollektiv Hinkelstein in Berlin abgeholt und mit dem Verteilen begonnen. Mehr Infos und das ganze Wimmelbild zum Angucken gibts hier.

Die Übersicht Tübinger Wohnprojekte und die Übersicht Hausbesetzungen in Tübingen sind  seit Herbst 2014 online.

Anlässlich der Neuauflage des Handbuch der Kommunikationsguerilla brachte das Neue Deutschland am 6. Oktober 2012 meinen Artikel „Kreativ eingreifen. Der frische Wind neuer sozialer Protestbewegungen drückt sich vor allem in ihren Aktionsformen aus.“

In der Protest-Dokumentation Rebel Yell, die im August 2012 auf arte gezeigt wurde, sind Interview-Ausschnitte mit mir zu sehen.

Die Dezember 2010-Ausgabe von ak – analyse und kritik brachte das Interview: „Aktionstrainings als fester Bestandteil linker Politik. Marc Amann über Blockadetrainings und neue Formen Zivilen Ungehorsams“

Anfang Dezember 2010 kam endlich die 3. – korrigierte und überarbeitete – Auflage von go.stop.act! Die Kunst des kreativen Straßenprotests. Aktionen. Geschichten. Ideen. aus der Druckerei.

Am 5. Juni 2010 erschien in der taz Nord ein Bericht über einen Workshop in Hamburg, der einen guten Einblick in meine Arbeit gibt.

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